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Die neuscholastische Theologie, die
Argumentationsmuster des Mittelalters einfach unkritisch übernahm, war, wie
gesagt, die dominierende Richtung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Folge
der Angst vor der Neuzeit, des Wirkens der Aufklärung, des Verlusts des
Kirchenstaats und in Deutschland des Kulturkampfs. |
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Nach dem 2. Vatikanischen Konzil, also
etwa vor 40 bis 50 Jahren, gab es auch innerkatholisch eine Gegenbewegung, in
der man nicht nur andere als die traditionellen Quellen suchte, sondern die
weniger bekannten Theologen wie Bonaventura oder Duns Scotus nun gegenüber
Thomas, dem Vertreter der traditionellen Theologie, als die moderneren
galten. |
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So wichtig es ist, daran zu denken,
dass die Scholastik nicht nur aus Thomas bestand, so wenig ist die letztere
Aussage berechtigt: Thomas war im Vergleich zu seinen Zeitgenossen offen für
Neues und beschäftigte sich durchaus auch mit nicht ursprünglich katholischen
Argumentationen. |
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Wie einst die Reformatoren vermischten
auch die innerkirchlichen Erneuerer der 70er-Jahre berechtigte Kritik mit
solcher, die über das Ziel hinausschoss – vermutlich ein Fehler, der in
solchen Fällen nicht zu vermeiden ist. |
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Thomas war Kind seiner Zeit und
vertrat Dinge, die seit langem überholt sind, etwa die Aussage, männliche und
weibliche Embryonen würden zu verschiedenen Zeiten beseelt. Dennoch denke
ich, dass viele seiner Gedanken auch für uns heute, nicht nur für unsere
Gründerväter zur Zeit des Kulturkampfs, bedeutsam sein können. |
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