Nach diesem Exkurs über die griechische Philosophie gehen wir wieder zurück zu Thomas. Er hat im Gefolge seines Lehrers, die Philosophie des Aristoteles im europäischen Denken verwurzelt. Wie wir sehen werden, beeinflusste deren stark ordnender Charakter das wissenschaftliche Arbeiten des Thomas.

Sein erstes bekanntes Werk, nach heutigem Verständnis seine Doktorarbeit, war ein Sentenzenkommentar zu Petrus Lombardus. Es war damals üblich, Zitate älterer Theologen (Sentenzen) zu bestimmten Themen zu sammeln und weiter zu kommentieren. Thomas arbeitete den Kommentar des Petrus Lombardus auf mehr als das Zehnfache aus.

Zudem fasste Thomas mehrere Disputationen zusammen. Eine Disputation lief zu seiner Zeit so ab, dass ein Student Argumente zu einem bestimmten Thema vortrug, ein Baccalaureus – wir würden sagen, ein Masterstudent – Gegenargumente brachte und schließlich der Professor entschied. Thomas hielt während seiner Pariser Zeit regelmäßig Disputationes und gab diese zusammengefasst in seinem Werk Quaestiones Disputatae heraus. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Kommentare zu Schriften des Aristoteles zur Physik (d.h. zur Naturwissenschaft im Allgemeinen), zur Metaphysik, also zum Übernatürlichen und zur Politik und zu Büchern der Bibel.

Seine bekanntesten Werke sind jedoch die Summa Theologiae, eine Zusammenfassung der katholischen Theologie insgesamt, und die Summa Contra Gentiles, ein Werk, das den Anspruch erhob, alle Glaubens- und Vernunftargumente gegen Heiden zusammenzufassen.

Neben diesen wissenschaftlichen Werken schrieb Thomas auch die bekannten Fronleichnamshymnen Pange Lingua (Preiset Christen), Tantum Ergo, Lauda Sion (Deinem Heiland, deinem Lehrer), Adoro Te Devote (Gottheit tief verborgen). Die Titel geben jeweils die ersten Worte des Singtexts wieder, sodass die deutschen Titel keine Übersetzung der lateinischen darstellen.

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