Es ist nun einiges über die Zeit zu sagen, in der Thomas lebte.

Einigen von euch und Ihnen wird diese Karte bekannt vorkommen. Sie zeigt Europa zur Lebenszeit des Thomas. Folgende Geschehnisse, die diese Zeit bestimmten, sind auf dieser Karte erkennbar:

Wo heute Griechenland ist, sehen wir das „Lateinische Kaiserreich“, einen Kreuzfahrerstaat, der das Byzantinische Reich erobert hatte. Die Zeit der Kreuzzüge ging allmählich zu Ende, doch noch gab es Kreuzritter in Jerusalem. Das Byzantinische Reich war dagegen durch die doppelte Auseinandersetzung mit den Türken auf der einen und den Kreuzrittern aus West-europa auf der anderen Seite geschwächt. Es konnte seine Hauptstadt Konstantinopel zwar zurückgewinnen, doch nie wieder seine alte Macht erreichen.

 Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren die Staufer ausgestorben. Der Machtkampf zwischen dem Kaiser und den Fürsten war damit praktisch mit dem Sieg der letzteren entschieden.

Spanien befand sich auf dem Höhepunkt der Reconquista, der Rückeroberung des Landes von den Mauren. So fiel 1236 deren Hauptstadt Córdoba an das christliche Königreich Kastilien.

Vor allen Dingen aber beginnen die Städte eine immer wichtigere Rolle zu spielen, sei es als Hauptstädte von Fürstentümern, als Stützpunkte von Kaufleuten oder als Sicherungen für die Grenzen. In den Städten werden auch Schulen und die ersten Universitäten gegründet. Im Vergleich zum Früh- und Hochmittelalter verlagert sich die Macht nun von den Ritterburgen als militärische und den Klöstern als kulturelle Zentren in die Städte und entsteht eine bürgerliche Gesellschaft, in der Bildung immer breiterer Kreise immer wichtiger wird.

Wenn wir von Universitäten im Mittelalter sprechen, so dürfen wir uns keinesfalls Massenbetriebe wie heute vorstellen. Bis zu einem gewissen Grad ist Ansichtssache, was damals eine Universität und was nur eine höhere Schule war. Völlig unterschiedlich waren, wie viele von uns aus den Fuxenstunden wissen, Alter und Vorkenntnisse der Studenten. Viele begannen mit weniger als 15 Jahren. Was sie vorher gelernt hatten, hing von den vorher besuchten Schulen ab.

So etablierte es sich, dass die Bursen nicht nur als Wohnheime, sondern auch als Stätten, in denen diese jungen Burschen beaufsichtigt werden konnten, dienten. Wegen der unterschiedlichen Vorbildung hatten alle Studenten zunächst ein Grundstudium, das sogenannte Studium Generale, bestehend aus den Fächern Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arithmetik, Astronomie, Geometrie und Musik, einem Fächerkanon, der schon aus der Antike überliefert war und als „Freie Künste“ bezeichnet wurde, zu absolvieren. Aus diesem Grundstudium entstand die ‚Artistenfakultät‘ vom lateinischen Wort ‚ars‘ für ‚Kunst‘.

 Danach erst begannen die höheren Studien. Es gab nur drei, nämlich das der Theologie, der Rechtswissenschaft und der Medizin. In keinem Beruf war damals ein akademisches Studium vorgeschrieben, sodass auch die wenigsten Priester, Ärzte oder Richter eine Universität besucht hatten.

Als wichtigster Philosoph galt damals Platon, als wichtiger Theologe Petrus Lombardus. Ein Kommentar zu dessen Sentenzen, Thesen zu bestimmten theologischen Fragen, war die erste wissenschaftliche Arbeit des Thomas.

Bei den Arabern spielte Aristoteles eine weit größere Rolle. Zu dessen Wiederentdeckern im christlichen Europa gehörte Thomas‘ akademischer Lehrer Albert. Thomas selbst lernte die Werke des Aristoteles wohl allerdings schon bei seinem Studium Generale in Neapel, das damals kulturell stark unter arabischem Einfluss stand, kennen.

 

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