Thomas beginnt mit den Einwänden, bei ihm stets mit videtur, quod (es scheint, dass) eingeleitet, in diesem Fall also, warum die Heilslehre keine Wissenschaft sein kann: Ich zitiere hier Summa Theologiae in meiner eigenen Übersetzung:

Zum zweiten Punkt gelangt man so: Es scheint, dass die Heilslehre keine Wissenschaft ist. Jede Wissenschaft geht nämlich aus Prinzipien, die aus sich heraus erkennbar sind, hervor. Aber die Heilslehre geht aus Glaubensartikeln hervor, die nicht aus sich heraus erkennbar sind, da sie nicht von allen eingesehen werden, es ist nämlich nicht der Glaube aller, wie es im 3. Kapitel des 2. Briefes an die Thessalonicher heißt. Also ist die Heilslehre keine Wissenschaft.

Außerdem handelt die Wissenschaft nicht von einzelnen Dingen. Aber die Heilslehre handelt von einzelnen Dingen, zum Beispiel den Taten Abrahams, Isaaks, Jakobs und anderer. Also ist die Heilslehre keine Wissenschaft.

 

Es folgt die Gegenargumentation:

Aber dagegen steht, was Augustinus im 14. Kapitel über die Dreieinigkeit sagt, dieser Wissenschaft fällt nur zu, dass der äußerst heilsame Glaube erzeugt, genährt, verteidigt und gestärkt wird. Dies aber gilt für keine Wissenschaft, außer für die Heilslehre. Also ist die Heilslehre eine Wissenschaft.

 

Thomas kommt nun zu seiner Conclusio:

Ich antworte, dass man sagen muss, dass die Heilslehre eine Wissenschaft ist. Aber man muss wissen, dass es zwei Arten von Wissenschaften gibt. Es gibt nämlich einige, die aus den durch das natürliche Licht des Verstandes erkannten Prinzipien hervorgehen, wie die Arithmetik, die Geometrie und derartiges. Es gibt aber auch einige, die aus den durch das Licht der höheren Wissenschaft erkannten Prinzipien hervorgehen,  wie die Perspektive aus den Erkenntnissen, die aus der Geometrie gewonnen sind, hervorgehen und die Musik aus Erkenntnissen, die aus der Arithmetik bekannt sind.  Und die Heilslehre ist eine Wissenschaft von dieser Art, weil sie aus Prinzipien hervorgeht, die aus der höheren Wissenschaft erkannt werden, wie es natürlich die Wissenschaft von Gott und den Seligen ist. Wie die Musik Prinzipien vertraut, die ihr von der Arithmetik übergeben wurden, so vertraut die Heilslehre Prinzipien, die ihr von Gott offenbart wurden.

 

Die von ihm abgelehnte Argumentation widerlegt er folgendermaßen:

Erstens ist also zu sagen, dass die Prinzipien jeder Wissenschaft entweder aus sich heraus erkennbar sind oder auf die Erkenntnis einer früheren Wissenschaft zurückgeführt werden können. Und so sind die Prinzipien der Heilslehre, wie gesagt wurde.

Zum zweiten ist zu sagen, dass Einzelbeispiele in der Heilslehre überliefert werden, nicht, weil sie vor allem von ihnen handelt, sondern weil sie als Beispiel für das Leben angeführt werden wie in den moralischen Wissenschaften; dann auch, um das Ansehen der Männer zu erklären, durch die die göttliche Offenbarung zu uns gekommen ist. Über diese wird die Heilige Schrift und die Heilslehre begründet.

 

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