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Die evangelische Kirche
geht bekanntlich davon aus, dass nur die Bibel
verbindliche Aussagen darüber enthält, wie Menschen
leben sollen. Ebenso glaubte Luther, dass alle
Menschen die Erlösung brauchten und dass kein Mensch
von sich aus gerecht sei – mit Ausnahme Jesu. Die
Lehre von der Sündlosigkeit Marias widerspricht in
ihren Augen also der Bibel.
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Die
Ostkirchen dagegen kritisieren das Dogma – abgesehen davon, dass sie es
ablehnen, weil es nicht von einem Konzil aller
Bischöfe verabschiedet wurde, zu dem ihrer Meinung
nach auch ihre Bischöfe hätten eingeladen werden
müssen – aus genau dem entgegengesetzten Grund: Wenn
Maria bereits im Mutterleib von Gott erwählt worden
wäre, hätte sie nichts mehr geleistet und sei sie
keine Heilige mehr, die Verehrung verdiene.
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Entsprechend
verschieden
muss die ökumenische Auseinandersetzung angegangen
werden: Im Gespräch mit evangelischen Theologen muss
klargestellt werden, dass die Erwählung kein
Verdienst, sondern freie Entscheidung Gottes ist.
Auch Propheten des Alten Testaments wie Jeremia
berichten davon, dass Gott sie bereits im Mutterleib
erwählt habe. Wichtig ist dabei auch, deutlich zu
machen, dass es nicht um die Besonderheit Marias,
sondern die Besonderheit Christi als Gottes Sohn
geht.
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Orthodoxen Theologen
gegenüber kann man dagegen damit argumentieren, dass
Maria Urbild des erlösten Menschen ist: Für Maria
gilt in besonderem Maß, was für alle Menschen gilt –
so auch, dass Gott sie erwählt und mit ihnen etwas
Bestimmtes vorhat. Ebenso muss in dieser Diskussion
darauf eingegangen werden, dass diese Erwählung
durch Gott dem Menschen nicht den freien Willen
nimmt – Maria hätte immer noch ihren Auftrag, Mutter
Jesu zu werden, ablehnen können. Ihr „Ich bin die
Magd des Herren, mir gescheh’ nach deinem Wort“ war
ihre freie Entscheidung.
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