Im Mittelalter verstärkte sich die Diskussion um die Unbefleckte Empfängnis. Vor allem im Zusammenhang mit zwei damals neu entstandenen Orden gewann sie an Bedeutung.

 

 

 Links sehen wir Franziskus, rechts Dominikus. Die Bilder sind bezeichnend: Franziskus hat die Hände übereinander gelegt, an seiner rechten Hand ist das so genannte Stigma, das Mal von der Kreuzigung Jesu – der Einschlag des Nagels – das er der Legende nach empfangen hat, deutlich zu sehen. Er trägt eine schlichte Mönchskutte.

 Dominikus hält in der linken Hand ein Buch. Die ausgestreckten Finger seiner rechten Hand machen den Eindruck, als ob er auf etwas deuten würde. Sein Gesicht ist ernst, er macht nicht den in sich ruhenden Eindruck wie Franziskus.

 

 Tatsächlich stand bei den Franziskanern eher der Verzicht und die mystische Gotteserfahrung, bei den Dominikanern die geistige Bildung und die Auseinandersetzung mit den Ketzern im Vordergrund. Dieser Unterschied, hier die mystischen Franziskaner, dort die intellektuellen Dominikaner, hatten auch Einfluss auf die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis:

 

 Die Franziskaner hielten überwiegend den Menschen für von Grund auf verdorben. Ohne Hilfe Gottes war der Mensch ihrer Meinung nach zu nichts Gutem fähig. Die Dominikaner dagegen betonten die Erkenntnisfähigkeit des Menschen – ihr größter Theologe, Thomas von Aquin, wie ihr wisst ebenfalls Patron unseres Verbands, beschäftigte sich intensiv mit dem heidnischen griechischen Philosophen Aristoteles.

 

 Kein Wunder ist es daher, dass die Franziskaner, darunter Theologen wie Bonaventura und Duns Scotus, fest überzeugt davon waren, dass bereits die Mutter Christi von der Erbschuld befreit sein musste, während Thomas von Aquin und andere Dominikaner dieser Lehre skeptisch gegenüberstanden: Die menschliche Natur hielten sie zwar nicht für perfekt, aber auch nicht für von Grund auf böse.

 

Obwohl beide Seiten an Rom appellierten, kam es zu keiner Einigung: Im Jahr 1378 gab es eine Papstwahl, deren Ergebnis angefochten wurde. Infolgedessen gab es kurz darauf zwei, nach dem erfolglosen Konzil von Pisa 1409 sogar drei Päpste. Dieser Streit hieß Das Große Abendländische Schisma. Er hatte zur Folge, dass kein Papst verbindlich für die Kirche entscheiden konnte.

 

 Obwohl mit dem Konzil von Konstanz 1414 dieses Schisma endete, blieben theologische Fragen ungelöst: Die Päpste der Renaissancezeit – nicht nur der einschlägig bekannte Alexander VI. – interessierten sich eher für Feste, Jagden, Frauen und höchstens noch für Politik als für kirchliche Fragen.

 

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