Wie bereits gesagt, kannten die Germanen die Trennung zwischen Herrschern und Priestern nicht. Der König oder Fürst war gleichzeitig auch für die Religion zuständig. So war es im Frankenreich üblich, dass Könige und Adlige in ihrem Herrschaftsbereich Bischöfe und Priester ein- und absetzten. Dies nannte man das Eigenkirchenwesen. Oft waren die Bischöfe Verwandte des Fürsten und in vielen Fällen interessierten sie sich weniger aus religiösen Gründen als wegen der damit verbundenen Macht für das Bischofsamt.

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Da, wie ebenfalls schon gesagt, das Volk in der Regel den Glauben des Herrschers annehmen musste, fanden oft Massentaufen statt, ohne dass die Getauften viel über das Christentum wussten. Sie ließen sich taufen, wie wir uns beim Einwohneramt melden – weil es eben Bürgerpflicht war, nicht, weil sie vom christlichen Glauben überzeugt waren. Entsprechend lebendig blieben heidnische Vorstellungen, weshalb die Donareiche, die Bonifatius fällte, zu seiner Zeit noch Kultort war, obwohl das Gebiet schon lange christianisiert war.

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 Vor Bonifatius waren Mönche aus Irland und Schottland bereits im heutigen Deutschland missionarisch tätig gewesen – man spricht von den iroschottischen Missionaren; die Unterfranken unter uns kennen einen davon, ihren Bistumspatron Kilian.

 Das Christentum in Irland und Schottland hatte sich relativ unabhängig von Rom entwickelt und an die Gegebenheiten dort angepasst. Anstatt Städten bildeten Klöster die politischen und wirtschaftlichen Zentren. Bischof war in der Regel einer der Mönche, der in der innerklösterlichen Hierarchie immer noch seinem Abt unterstand. So war die Kirche in Irland und Schottland weit weniger hierarchisch und straff organisiert als man es aus Rom kannte. Auch eigene religiöse und moralische Vorstellungen wie die, dass man Gott durch besondere Glaubensleistungen beeindrucken könne, hatten sich dort entwickelt. Noch heute gibt es die Tradition, dass Iren barfuß auf den Croagh Patrick, den heiligen Berg ihres Landes, wallfahren, obwohl dies gefährlich ist und auch von den irischen Bischöfen nicht unterstützt wird.

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Ein weiteres Problem, mit dem sich Bonifatius konfrontiert sah, war der Bildungsmangel. Die wenigsten Menschen, auch die wenigsten Adligen und Geistlichen, konnten lesen und schreiben. Zudem waren viele kirchliche Texte nicht in die Volkssprachen übersetzt. Viele angehende Priester lernten die Messformeln auswendig wie Zaubersprüche. Bonifatius versuchte, den Unterricht in den Klöstern zu verbessern und übersetzte Bibeln und Schriften von Kirchenvätern ins Fränkische.

 

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