Nach seiner Ermordung bei Dokkum, damals in Friesland, heute in den Niederlanden, brachte man die Leiche des Bonifatius gemäß seinem Testament über Utrecht den Rhein aufwärts nach Mainz und von dort aus über Land nach Fulda. Dort begann bald eine Verehrung seines Grabes. Wie wir auf dem Bild sehen, gab es relativ bald auch Darstellungen des Heiligen vor allem an seinen Wirkungsstätten.

 Dennoch wurde er im Früh- und Hochmittelalter in England, wo die Menschen stolz auf den missionar-ischen Erfolg ihres Landsmanns waren, häufiger verehrt als im Frankenreich und im späteren Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Seine Kirchenreformen blieben unter Pippins Sohn Karl dem Großen und dessen Nachfolgern bestehen. Zu den offiziellen Heiligen des Reichs gehörte er jedoch nicht, was man, neben der erwähnten Seltenheit seines Namens als Taufname, auch an der geringen Zahl von dem Bonifatius geweihten Kirchen im heutigen Deutschland erkennt.

 

 Eine wichtigere Rolle sowohl in Rom als auch im Deutschen Bund bzw. Deutschen Reich spielte er erst im 19. Jahrhundert, als der Papst sich gegen die Einigung Italiens, deren Vertreter Rom als Hauptstadt beanspruchten und damit das Ende des Kirchenstaates herbeiführten, wehren musste und die Katholiken allmählich in den Kulturkampf gerieten – genau die Zeit, in der unsere Unitas gegründet wurde.

 Erst 1855 wurde Bonifatius von Papst Pius IX: heiliggesprochen. Seit 1867 – mitten im beginnenden Kulturkampf – hielt die preußische, seit dem Zweiten Weltkrieg die Deutsche Bischofskonferenz ihre Herbstvollversammlung jedes Jahr in Fulda, am Grab des Heiligen, ab.

 Im Kulturkampf kam es auch zu einer Heroisierung des Bonifatius als unerschrockener Kämpfer gegen das Heidentum.

 In Wahrheit war, wie ich gezeigt habe, das Frankenreich kein rein heidnisches Land mehr und liegen die Verdienste des Bonifatius weniger in seiner missionarischen als in seiner organisatorischen Tätigkeit. Er konnte die Kirche neu organisieren und die Bischöfe disziplinieren, wenn auch das Problem der weltlichen Macht und damit verbunden des geringen geistlichen Interesses vieler Bischöfe sich durch das gesamte Mittelalter und die frühe Neuzeit hindurch zog.

 Im Gegensatz zu den Iroschotten orientierte er sich sehr stark an Rom und leistete dem Papst weit strengeren Gehorsam als es damals üblich und vorgeschrieben war. Verdient dies heute seine Verehrung? Ich selbst habe mich oft gefragt, wie weit die Einheit der Kirche und die Unterordnung unter den Papst gehen muss. Einige werden sich noch an die WS über die Piusbrüder vor drei Jahren erinnern. Damals habe ich die Meinung vertreten, dass die Tradition der Kirche nicht starr sein darf und die Ortskirchen ihre eigene Spiritualität entwickeln müssen. Dieser Meinung bin ich noch heute. Wenn man aber sieht, was am Rande der katholischen Kirche geschieht – von der Forderung, Maria als Miterlöserin zu verehren bis zu Theologen, die die Reinkarnation lehren, muss ich doch feststellen, dass eine Zentrale, die gewisse Grenzen des Glaubens und der Spiritualität nötig ist.

 

 Ich danke euch und Ihnen für die Aufmerksamkeit

 

Zum Literaturverzeichnis